Wer denkt, dass Seefahrt nur für alte Pirat*innen und Segelprofis ist, der war noch nie mit uns unterwegs: dem Zirkus auf See! Zwischen Möwenrufen, Sonnenuntergängen und glitzernden Wellen haben wir auf der Ostsee den Anker gelichtet – und das mit einem Hauch Magie, kräftiger Zusammenarbeit und jeder Menge Jonglierbälle im Gepäck. Die Ostsee als unsere schwimmende Manege und mit der MYTILUS als Bühne war die Woche vom 19. bis 26. Juli unser Zuhause und Abenteuerort.
Der Start: Oxelösund und das erste Leinen los
Unsere Reise begann im Hafen Oxelösund Gasthamn, einem beschaulichen Ort an der Ostküste Schwedens. Bereits beim ersten Betreten der MYTILUS, deren hölzerne Planken Geschichten aus einer anderen Zeit zu erzählen schienen, war klar: Hier wird es mehr als nur ein einfacher Segeltörn. Mit an Bord waren Tom als erfahrener Skipper, Fee als verantwortungsbewusste Wachführerin, Clara als Anwärterin zur Bootsfrau und wir, neun zirkusbegeisterte Menschen die jonglierend, balancierend und akrobatisch in See gestochen sind.
Die Route: Inseln, Ankerplätze und viel Natur
In den folgenden sieben Tagen legten wir eine Strecke von 94 Seemeilen zurück, davon wurden 77 Seemeilen unter Segeln zurückgelegt – der Rest mit Motorhilfe. Die Route führte uns durch die faszinierende Schärenlandschaft der Ostküste: Oxelösund als unser Start- und Zielhafen, Lunda und danach Birskär als Ankerplatz, den Hafen von Gryts Varv och Marina, St. Getterö und anschließend Södra Ormö als Ankerplatz.
Alltag an Bord: Segel setzen, baden, balancieren
Unsere Tage waren geprägt von viel Segel-Aktivität und der ein oder anderen Zirkuseinheit. Täglich, hieß es: „Segel setzen!“ –
gemeinsam wurden Manöver gefahren, navigiert und das Schiff sicher durch die Inselwelt gesteuert. Dabei lernten alle Segelneulinge die einzelnen Begriffe, wie man Kurse hält oder Segel richtig trimmt. Zwischendurch blieb Zeit zum Schwimmen, Kochen, Essen, Erkunden kleiner Schäreninseln und natürlich – Zirkus!
Ein Highlight war zweifelsohne auch das Essen, so die Worte der Bootscrew. Mehrmals täglich dampften aus der kleinen Kombüse vegane Köstlichkeiten, die uns Kraft für die nächsten Segelmanöver oder Akrobatikeinlagen gaben. Der Duft von Salzwasser, Sonnencreme und frischem Essen lag über dem Schiff und ließ den Alltag an Land schnell vergessen.
Während am Abend die Sonne glutrot hinter den Inseln versank und das Wasser in goldenem Licht schimmerte, verwandelte sich das Schiff in ein schwimmendes Zirkusrequisit: Ob überkopf am Vertikaltuch, kletternd am Mast oder balancierend auf dem Klüverbaum – die Möglichkeiten schienen beinahe grenzenlos. Doch auch ruhigere Momente prägten die Abende: eine spontane nächtliche Badeeinheit oder gemeinsames Liedersingen in der Messe boten stimmungsvolle Abwechslung.
Nachts kehrte allmählich Ruhe auf der MYTILUS ein. Unter dem Sternenhimmel über dem Mast, dem sanfte Schaukeln der Wellen und der ein oder andere Mücke – klangen die Tage auf See langsam aus.
Der Segeltörn war weit mehr als nur eine Reise über die Ostsee – es war ein bewegendes Gemeinschaftserlebnis zwischen Wind, Wasser und Zirkuskunst. Die Kombination aus maritimer Tradition, sportlicher Aktivität, Kreativität und Gemeinschaft machte diese Woche zu etwas Besonderem.
Ein herzlicher Dank geht an die Crew der MYTILUS, insbesondere an Tom, Fee und Clara, für ihre kompetente Führung und Geduld – und natürlich an alle Zirkusmenschen an Bord.
Zirkus ahoi! Auf bald, MYTILUS!




